DIARY OF DREAMS
Köln / Amphi-Festival 2006


Mit Herz und Seele
(English Version coming soon)


Suiciderock: „Diary of dreams" bestehen nun ja schon seit mehr als zehn Jahren. Was würdest du sagen, hat sich in dieser Zeit geändert und wie hat sich die Band entwickelt?

Adrian: In Bezug auf die Band oder in Bezug auf mich selbst?
Suiciderock: Erst auf die Band und dann auf die selbst.
Adrian: Das wäre dann eine Frage für eine halbe Stunde.
Suiciderock: Echt? Dann leg los.
Adrian: Bei uns ist es so, dass wir natürlich seit der Gründung eine Gradwanderung sondergleichen durchgemacht haben, dass natürlich konzeptionell, inhaltlich, besetzungstechnisch, crewmäßig, labelmäßig sich alles geändert hat beziehungsweise es ist alles gewachsen. Es war ja damals aus einem Amateurbereich mit einer sehr professionellen Attidute, aber halt nicht mit professionellen Fähigkeiten. Das musste alles erst gelernt werden. Ganz zu schweigen von den technischen Möglichkeiten, die wir halt hatten. Jetzt sitzt man natürlich in einem sehr schönen Studio und denkt manchmal ganz zurück wie man im Heizungskeller im tiefsten Winter geprobt hat und wie man überhaupt mit den Händen arbeiten konnte, muss man sich das etwa so vorstellen, was man gerne mal zu den Akten legt und dann herauskramt, um zu lächeln, weil es einfach nicht mehr vorstellbar ist so gearbeitet zu haben und das haben wir jahrelang gemacht, aber es hat sich nie jemand beschwert und ich habe es auch nie ungerne gemacht. Denn man hatte ein Ziel, seine Wünsche und Träume, wo man hinwollte und die ließen sich eigentlich schon immer verwirklichen. Das ist uns eigentlich ein sehr positives und dankbares Arbeiten. Also ich habe das eigentlich immer sehr genossen. Ich fand es immer schön, dass man nicht diesen einmaligen Popolaritätssprung hatte und dann nach dem nächsten Song irgendwie abgestürzt ist. Wir haben es bisher so geschafft langsam immer mehr an Popularität zu gewinnen und dahin zu kommen wo wir jetzt sind. Ich fühle mich sehr wohl damit und das ganze Umfeld ebenfalls mit den ganzen K.O. Durch die man zu einer Familie gewachsen ist. Mit dieser unglaubliche dicken Familie macht es riesigen Spaß zu arbeiten.

Suiciderock: Was brauchst du, um einen typischen „Diary of dreams" Song zu schreiben? Setzt du dich einfach irgendwo hin oder brauchst du eine bestimmte Atmosphäre dazu?
Adrian: Das Umfeld haben wir, wobei es ja so ist, dass wir unser eigenes Studio haben  von Anbeginn und das brauch ich. Dieses private Umfeld und ansonsten die gewisse Atmosphäre, die man haben muss kommt schon von allein. Da brauch ich nicht lang warten. Das ist eine bestimmte Art von Melancholie zum Komponieren.

Suiciderock: Euer letztes Album (Mini-Album), namens MenschFeind erschien 2005.
Adrian: Ich weiß es nicht mehr wann es veröffentlicht worden ist. Also MenschFeind war das letzte Mini-Album und das letzte richtige Album war auf jeden Fall Nigredo, aber viele andere Bands würden sicherlich MenschFeind sagen.
Suiciderock: Seit ihr inzwischen wieder im Studio oder habt ihr schon neue Songs in Planung?
Adrian: Ja, wir beenden derzeit die Arbeiten an einer DVD, die bald rauskommt und des weiteren versuchen wir demnächst die intensiven Arbeiten am neuen Album zu beginnen und dann möglichst im Laufe des nächsten Jahres abzuschließen.

Suiciderock: Was können die Käufer denn von eurer DVD erwarten? Verwendet ihr darauf auch Backstage Material oder nur Live-Material?
Adrian: Das ist schwer zu beschreiben. Das ist keine normale DVD im herkömmlichen Sinne. Wir haben natürlich Live-Parts drin, einige Sachen, aber wir haben auch andere Sachen drinnen, die nicht wirklich Backstage Aufnahmen sind, aber auch verschiedene Eindrücke, die Depressionen darstellen. Ich habe so etwas vorher noch nicht gesehen. Wir haben uns bemüht etwas individuelles zu machen und ich würde mich einfach mal überraschen lassen.

Suiciderock: Bis zum 08.07.06 habt ihr in den US getourt. Wie war es für euch nach fast 8 Jahren dort wieder zu touren?
Adrian: Was wichtig in dem Kontext ist, dass ich in den USA für 2 Jahre gelebt habe und das es für mich auch eine Form der Heimkehr war, denn ich war ja auch seit den ersten drei Konzerten das erste Mal nach 8 Jahren wieder dort. Der Unterschied für mich war, dass es ein sehr interessantes Projekt. Wir hatten viel Spaß gehabt, aber es war auch sehr anstrengend. Es war definitiv die härteste Tournee, die ich je bisher hatte, denn normalerweise finden unsere Konzerte nicht mit dem Flugzeug statt. Es ist halt einfach so, dass man wegen den großen Entfernungen ein Flugzeug gebraucht hat. Aber es war wirklich ein spannendes Erlebnis und wir hatten eine solide Basis für so eine spannende Tournee.

Suiciderock: Wieso hat es so lange gedauert bis ihr wieder in der US touren konntet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
Adrian: Das ist eine gute Frage. Das ist abhängig von Promotern, Bookern und Popolarität würde ich auch einmal sagen und USA war nie unser stärkster Markt. Unser stärkster Markt lag großläufig in Europa und Russland, Libanon und diverse andere.

Suiciderock: Welcher Unterschied besteht zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Publikum?
Adrian: Also hingegen der allgemeinen Meinung, ich mag die Amerikaner. Sie sind höflicher und distanzierter, wesentlich hilfsbereiter und freundlicher also gastfreundlicher, und gut vielleicht kommt da auch noch ein kleiner Bonus dazu, den ein normaler Tourist da nicht hat, aber das kann ich nicht beurteilen, aber wir haben eine sehr tolle Zeit mit dem Publikum verbracht, denn sie hatten ja auch sehr lange gewartet, was man dazu sagen sollte. Dementsprechend haben sie uns auch gefeiert und es war sehr sehr schön. Es waren relativ kleine Clubs und dadurch war es ein unglaublich familäres Verhältnis und das hat uns sehr gefreut.

Suiciderock: Woran erkennt man einen typischen Diary of dreams fan? Gibt es etwas, dass alle gemeinsam haben (vom Outfit her) oder sind alle verschieden?
Adrian: Ich habe leider nicht das Vergnügen gehabt alle kennen zu lernen.
Suiciderock: Ja, aber du siehst sie ja. Ich mein jetzt vom Aussehen und der Optik her.
Adrian:  Es ist total durcheinander. Wir hatten in den USA eine Dame im Publikum gehabt, die die gesamten Texte mitgesungen hat und die Frau war 61 Jahre alt, die ich hätte ich dir jetzt nicht beschrieben, aber sie ist auch im Publikum dabei. Ein sehr buntes Spektrum,also alterstechnisch ist sie bis jetzt der älteste Fan, den ich kennen gelernt habe und der jüngste war 11. Die Bandbreite lässt natürlich alles zu: Von dem Normalo bis ganz-szene-konzentrierten Menschen bis hin zu Leuten, die nicht mal wissen, das wir irgendeine Szene-Gruppierung vielleicht angehören.

Suiciderock: Zehn Jahre sind eine lange Zeit, in der man viele Menschen kennen lernen kann. Gibt es eine Band mit der du mal gerne zusammen arbeiten würdest?
Adrian: Die Frage würde man nun auch eher auf privater Ebene beantworten. Das man sagt, das sind so Freunde in der Szene, bei denen man sich jedes Mal super freut, wenn sie da sind und zusammen auf die Bühne gehen kann und das sind eine Menge von hier und eigentlich von jedem Festival eine Menge. Man kennt sich halt intensiv, wenn man so lange dabei ist. Gerade bei solchen Großveranstaltungen, treffen wir uns. Es gibt so viele Bands mit denen man privat befreundet ist und von daher ist es wie ein kleines Familienfest. Es gibt so viele Leute, bei denen man sagt, mit denen ist man eng befreundet.

Suiciderock: Jeder fing mal klein an. Woran aus deiner Kindheit kannst du dich noch erinnern und was war dein erster Kontakt mit der Musik?
Adrian: In welchem Kontext?
Suiciderock: Als du Kind warst, an was kannst du dich da als erstes erinnern, das mit Musik zu tun hat, wie in die Musikschule gehen oder so etwas?
Adrian: Ach so ich habe das komplette Hardcore Programm durch nur Blockflöte habe ich total beukotiert. Da habe ich gesagt, das ist der Höhepunkt der Frechheit, das habe ich ausgelassen. Ich wollte eigentlich Schlagzeug spielen, durfte es aber nicht und bin deshalb an die Gitarre geprügelt worden bin natürlich dementsprechend unmotiviert gewesen, aber als Kind lernt man sehr schnell.
Suiciderock: Hast du es dann auch richtig gelernt also konntest du dich richtig konzentrieren, wenn du eigentlich lieber Schlagzeug spielen wolltest?
Adrian: Es hängt halt einfach davon ab, wie lang man unmotiviert ist. Da ich 19 Jahre lang Gitarre gelernt habe und da hatte ich ein bisschen Zeit mich zu motivieren.

Suiciderock: Was ist das peinlichste und was das schönste was dir in deinem bisherigen Leben passiert ist?
Adrian: Das peinlichste Erlebnis würde ich ja sicherlich nicht nochmal erzählen, wenn es mir peinlich ist oder? Denn dann würde es ja noch peinlicher.
Suiciderock: Naja muss nicht. Im Nachhinein kann man immer darüber lachen.
Adrian: Ehrlich?
Suiciderock: Ja schlimmer geht es immer.
Adrian: Aber die lustigsten Sachen sind ja immer die, die den anderen Leuten passieren, aber das erzähl ich mit Sicherheit nicht, denn das wäre ja hochverrat...
Suiciderock: Okay dann das schönste?
Adrian: Die erste Tour in Südafrika war definitiv ein Erlebnis, so wie es damals stattgefunden hatte, nie vergessen werde. Libanon war auch sensationell. Dort haben wir nur ein Konzert gegeben, aber es ist unglaublich schwierig dort eine Tournee zu machen. In einer alten Oper haben wir damals gespielt. Das war schon nicht nur ein Vergnügen, sondern auch schon ein Privileg.

Suiciderock: So nun noch zwei Fanfragen: Wie lange habt ihr an dem neuen Lied "Leb-Los" gearbeitet bis es produktionsfertig war?
Adrian: Das hat eine ganze Weile gedauert, weil wir erstens Umzüge, Studioumzug und ich das immer in Etappen gemacht habe, weil ich mir im Frühstadium noch nicht sicher war in welche Richtung das gehen sollte. Das hat einige Wochen gedauert bis wir das ganze Lied bei dem Ergebnis hatten so wie es jetzt ist.

Suiciderock: Gibts in diesem Jahr noch eine Accession-Tour?
Adrian: Nein. Es wird dieses Jahr wahrscheinlich Diary of Dreams gar nicht mehr auf der Bühne geben. Wir haben letztes Jahr um die 60 Konzerte gespielt, dieses Jahr die US-Tournee und ein paar Festivals, also wir waren auch schon wieder relativ aktiv, aber für unsere Verhältnisse war das gar nichts dieses Jahr, aber der wichtigste Aspekt ist, dass ich nicht eine Tournee mit Herz und Seele machen kann und gleichzeitig ein Album produzieren kann. Im Prinzip brauche ich jetzt meine Phase, wo ich mich aufs Album konzentrieren kann, um mich danach wieder auf die Bühne zu freuen.

Suiciderock: Eure Zukunftspläne für die Band?
Adrian: Das Album fertig machen, die DVD veröffentlichen, die Tournee vorbereiten, auf die Bühne gehen und sich wieder über neue Konzerte freuen.

Suiciderock: Deine Worte an die Leser von Suiciderock.com?
Adrian: Danke für den unendlichen Support in der unendlich langen Zeit. Hoffentlich geht es auch noch unendlich lange weiter. 


 (c) Suiciderock.com