THE OTHER
Köln 2005


Suiciderock: Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen “The Other” zu gründen?
Sarge:
Wir haben uns auf einer Geburtstagsfeier bei einem Kumpel getroffen. Durch Zufall kamen wir auf das Thema Misfits und haben uns dann dazu verabredet Misfitssongs zu spielen. Wir haben dann in der selben Formation die “Ghouls”, eine Misfitscoverband gegründet. Irgendwann kamen wir an einen Punkt wo wir dachten es wäre mal ganz interessant eigene Songs zu spielen. Wir haben das dann einfach ausprobiert, zumal die Rufe aus unserem Publikum nach eigenen Songs immer lauter wurden.
Rod: Die “Ghouls” gibt es seit 1999 und 2002 haben wir bei einem Auftritt in Köln das erste eigene Stück gespielt. Die Hälfte des Publikums hat es gar nicht gemerkt, die andere Hälfte fand es super. Das hat uns bestätigt weiter zu machen.

Suiciderock: Aber die “Ghouls” gibt es weiterhin?
Rod:
Ja klar, damit verdienen wir unser Geld.

Suiciderock: Das heißt mit “The Other” verdient ihr noch nichts?
Rod:
Ähm......noch nicht wirklich.

Suiciderock: Wie seid ihr auf eure Künstlernamen gekommen?
Rod:
Also ich bin ja Rod Usher. Ich habe Literaturwissenschaften studiert und meine Magisterarbeit in American Gothic Literatur gemacht. Edgar Allan Poe ist einer meiner Schriftstellerhelden und ich habe mich nach “The Fall of the house of Usher” nach dessen Protagonisten benannt. 
Sarge: Mein Name ist eigentlich ganz simpel. Er stammt von dem Film “Rock 'n' Roll Detective Ford Fairlane” und mein Kumpel hat irgendwann angefangen mich Sergeant Rock zu nennen. Deshalb nennen mich die meisten Leute in meinem Freundeskreis einfach Sarge...
Rod: Dr. Caligari nennt sich nach dem bekannten deutschen Stummfilm aus der Expressionistenzeit und auch nur weil wir ein gewisses Faible für klassische Horrorfilme haben. Andy Only nennt sich natürlich nach Jerry Only von den Misfits.

Suiciderock: Welche Band liegt euch denn mehr am Herzen? Die „Ghouls“ oder „The Other“?
Alle:
The Other!
Rod: „The Other“ auf jeden Fall. „Ghouls“ macht zwar Spass, wir spielen vor sehr vielen Menschen, da kommen hunderte um wirklich Misfitssongs zu hören und das ganze ist eine riesige Party, aber es ist schon schöner wenn die Leute auf die eigenen Songs abgehen. 
Andy Only: Vor allem macht es als Musiker sehr viel mehr Spass eigene Songs zu spielen.

Suiciderock: Wie würdet ihr denn euren Musikstiel mit „The Other“ beschreiben? Sarge: Mein Kumpel nennt mich in letzter Zeit immer „Metal-Punk“. Unser Stil hat Einflüsse von Punkrock, Metal, wir nennen das dann Rock 'n' Roll-Metal. 
Rod: Eigentlich nennen wir es „Horrorpunk“. Die Misfits haben eigentlich dieses Genre gegründet mit dieser Mischung aus 50´s Rockabilly , Metaleinflüssen, Gothiceinflüssen, Punkrock. Alles in einen Topf geschmissen, dann über Horrorfilme singen und raus kommt „Horrorpunk“. Und so bezeichnen wir uns. Dass da gewisse Affinitäten zum Death Rock dabei sind und manchmal auch Metal-Riffs ist klar. Der Background kommt eben von Rockabilly, und „Horrorpunk“ ist das kleinste gemeinsame Vielfache das rauskommt.

Suiciderock: Was inspiriert euch zu euren Texten?
Rod:
Da muss ich wohl antworten, weil ich sie schreibe. 
Sarge: Ich kenne sie auch nicht.
Suiciderock: Bitte? Du kennst eure Texte nicht?
Sarge:
Hey ich bin nur Gitarrist!
Rod: Da singe ich mein Herzblut ins Mikro und es interessiert keinen!
Suiciderock: Na du hast ja super Bandkollegen!
Rod:
Aber zumindest müssen sie die Refrains mitsingen.
Sarge: Ja, aber wir sprechen kein Englisch!
Rod: Also es sind teilweise Filme, größtenteils jedoch Literatur. Wir machen es so, dass wenn ich etwas lese, dann versuchen wir nicht nachzuerzählen, sonder versuchen zwischen den Zeilen zu lesen, versuchen eine gewisse Message raus zu filtern und eben das dann umzusetzen. Wir schreiben etwas darum herum, z.B. „Hyde Inside“ geht über Dr. Jekyll und Mr. Hyde, aber es ist keine Nacherzählung des Buches, sondern es geht über gesellschaftliche Zwänge oder Zivilisation ans sich, alles verpackt in eine große Gruselgeschichte und das zieht sich durch unsere ganzen Texte. Wie auch in Tarantula, über den bekannten Film. Da geht es auch darum dass der Mensch plötzlich anfängt Gott zu spielen und solche Sachen.

Suiciderock: Wie war es denn heute Abend als Support Band für die 69Eyes aufzutreten?
Sarge:
Sehr schön, auf jeden Fall. Ich hab mich echt gefreut, und vor allem auf die Live Music Hall. Auf einer großen Bühne zu stehen, vor all den Leuten vor den 69Eyes ist eine große Ehre.
Rod: Für mich war es auf jeden Fall eine große Ehre weil ich selbst die 69Eyes schon jahrelang höre. Irgendwann hat Jyrki mich mal angemailt und gesagt, „hey wir finden die Sachen die ihr auf eurem Label rausbringt toll“ und hat mir dann gesagt dass die Eyes auf der zweiten Compilation von unserem Label sein wollen und dann sind wir in Kontakt geblieben. Wir haben uns hier in Köln getroffen, haben was getrunken und er hat irgendwann gesagt „spielt doch mal mit uns“. Wir mailen, wir telefonieren....das ist komisch weil einem erstmal gar nicht bewusst ist wie riesig diese Band ist. Und dann kommt man hier um 16 Uhr an der Halle an und es stehen schon 100 Leute wartend vor der Tür. Das ist beeindruckend. Wir waren nervös, wir waren geehrt, eine echt tolle Sachen. Einen großen Dank an die 69Eyes.

Suiciderock: Wie kommt ihr denn mit dem zum Großteil weiblichen Publikum zurecht?
Sarge:
Also wir hoffen das sie uns gut aufgenommen haben.
Andy Only: Es ist klar das bei diesem Publikum nicht die Massen herumpogen wie bei einem normalen Punkkonzert. Das Publikum ist ein wenig verhaltener. Aber wir haben festgestellt, dass das Interesse an unserer Band doch sehr groß ist und wir haben gutes Feedback bekommen.
Rod: Wenn man ins Publikum gekuckt hat, dann hat man schon gesehen das die meisten am mitgehen oder zumindest am „mitwackeln“ waren. Man kann als Supportband von der Bühne gepfiffen werden, oder eben so wie heute, dass da eine vernünftige Akzeptanz mit wohlwollendem Applaus da ist.

Suiciderock: Was würdet ihr den Leuten empfehlen die zum ersten mal euer Konzert besuchen?
Sarge:
Zieht euch sexy an!
Andy Only: Tanzt, bewegt euch, macht euch bemerkbar! Das ist für die Band das beste Zeichen das es den Leuten gefällt und sie Spass haben.
Rod: Wir freuen uns natürlich auch wenn jemand unsere Refrains mitsingen kann. Die sind im eigentlich recht einfach nachzuvollziehen.

Suiciderock: Habt ihr noch Vorbilder außer den Misfits?
Rod:
Außer den Misfits? Na das ist ja jetzt eine Frage....
Sarge: Gibt es denn da noch was?
Rod: Also für mich persönlich außer den Misfits gäbe es da noch Danzig und Gene Simons von Kiss.
Sarge: Bei mir ist es eher so wenn ich Musik höre, gefällt mir manchmal nicht die ganze Platte, nur einzelne Stücke und ich bin dann natürlich von denen inspiriert.
Andy Only: Großes Vorbild neben den Misfits sind sicherlich auch die Ramones.

Suiciderock: Wie sehen eure weiteren Pläne aus?
Rod:
Also erstmal die Platte ist ja auf unserm eigenen Label erschienen, wo wir auch viele andere Bands rausgebracht haben mit denen wir auch auf Tour waren. Wir haben ein paar mal mit den Misfits gespielt, mit den 69Eyes und demnächst kommen hoffentlich noch ein paar Konzerte mit Balzac dazu. Eine US-Tour ist geplant, aber noch nicht sicher. Ende des Jahres werden wir unsere zweite Platte aufnehmen.

Suiciderock: Vielen Dank für das Interview!


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