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ZERAPHINE
Stuttgart 2005

Suiciderock: Kannst du uns etwas über
die Produktion eures neuen Albums “Blind Camera” erzählen?
Sven:
Also es war toll wie immer. Wir sind
immer im gleichen Studio, mit den gleichen Leuten und Produzenten. Das hat
natürlich den Grund dass wir mit Thommy Hein sehr gut zusammenarbeiten können
und uns blind verstehen, d.h. ohne großartige Erklärungen und bla bla bla. Wir
haben auch immer einen relativ festgelegten Ablauf in welcher Reihenfolge wir
die Instrumente aufnehmen. Das klingt jetzt völlig unspannend, aber es ist jedes
mal wieder aufregend mitzuerleben wie die Stücke wachsen.
Suiciderock: Was hat es mit dem
Bauernhof im Spreewald auf sich?
Sven: Wir fahren dort immer hin. Der ganze Prozess des
Songschreibens dauert bei uns ziemlich lange. Man hat immer eine Idee, nimmt es
kurz auf und legt es dann wieder weg. So sammelt sich immer eine ganze Menge
Material an. Diese Sachen sichten wir wenn wir dort sind und daraus versuchen
wir unsere Songs zu basteln. Wir sind auf diesem Bauernhof total ungestört und
können uns ganz auf die Arbeit konzentrieren. Die Zeit ist für jeden geblockt,
d.h. keiner wird weggerufen und für niemanden in der Band gilt etwas
anderes.
Suiciderock: Woher nehmt ihr eure Ideen?
Was inspiriert euch?
Sven: Ganz viele
Sachen. Es gibt immer Dinge über die man Texte schreiben kann, oder die einen
inspirieren Musik zu machen. Alles was um uns herum passiert regt uns
an.
Suiciderock: Ihr habt sowohl englische
als auch deutsche Texte. Warum? Gibt es besondere Vorlieben?
Sven:
Eigentlich nicht. Ich finde immer das
ein Song nach einer bestimmten Sprache verlangt, es kommt immer darauf an was
man ausdrücken will. Mit Englisch geht es einfach besser wenn man etwas offen
lassen will, dafür kann man im Deutschen besser mit Gegensätzen spielen. Es ist
einfach situationsabhängig.
Suiciderock: In wie weit denkst Du das
ihr euch mit “Blind Camera” im Vergleich zu eurem letzen Album “Traumaworld”
weiterentwickelt habt?
Sven: Ich kann
das immer sehr schlecht einschätzen. Ich weiß zwar dass wir uns weiterentwickelt
haben aber ich kann das schlecht in Worte fassen. “Blind Camera” ist im
Vergleich zu “Traumaworld” härter und dynamischer geworden. Es ist eine gute
Mischung aus den beiden letzten Alben plus neue Einflüsse.
Suiciderock: Eure aktuelle Single ist
“Die Macht in Dir”. Wisst ihr schon was als nächstes ausgekoppelt wird?
Sven:
Nein überhaupt nicht, das stellt sich
erst noch raus.
Suiciderock: Wenn ihr eure Musik in eine
Schublade stecken müsstet, welche wäre es?
Sven: Das ist schwierig. Irgendwo zwischen Goth-Rock und
Alternative-Rock. Aber ich wüßte nicht genau wo.
Suiciderock: Welche Musik hörst du
privat?
Sven: Viele
verschiedene Sachen. Zur Zeit mag ich Interpol sehr gerne eine phantastische
Band. Ich höre auch viel Placebo und nach wie vor sehr viel Gothic, Electro und
Alternative.
Suiciderock: Wie kann man sich einen
Tourtag von Zeraphine vorstellen?
Sven: Der beginnt ungefähr um 10 Uhr, naja, sagen wir zwischen
10 und 12 Uhr. Wir kommen meist mitten in der Nacht am Club an und schlafen dann
erstmal. Wenn wir aufstehen ist in der Regel der Club schon offen. Dann gibt es
erstmal Frühstück und es wird alles ausgeladen usw. Nach ein paar Stunden steht
die Bühne und wir machen Soundcheck. Wir essen noch einmal, geben Interviews,
und haben in jeder Stadt ein Meet&Greet mit Fans. Normalerweise machen wir
das vor der Show, nur heute mussten wir das Meet&Greet nach hinten
verschieben, weil wegen der Autogrammstunde und Live Session im Media Markt
soviel los war. Irgendwann ist das Konzert und anschließend gehen wir meist noch
zum Merchandise Stand und geben Autogramme......tja, und dann gehen wir trinken.
Suiciderock: Ihr seid 2004 Support von
HIM gewesen und habt dadurch eine Menge neuer Fans gewonnen. Wie war das für
euch?
Sven: Es war toll. Wenn
man vor so einer bekannten Band spielt ist es immer schwierig weil man nie weiß
ob man vom Publikum akzeptiert wird, schließlich kommen die Leute alle um den
Hauptact und nicht die Supportband zu sehen. Wir sind also schon mit gemischten
Gefühlen hingegangen, aber gleich beim ersten Konzert haben sich alle Zweifel
zerstreut. Der Großteil der HIMfans mochte unsere Musik. Daher hat die Tour sehr
viel Spaß gemacht und war eine ganz große Erfahrung für uns. Wir haben uns
sofort mit den Leuten und der Band super verstanden und haben heute auch
jemanden von der HIMcrew dabei.
Suiciderock: Ihr haltet sehr engen
Kontakt zu euren Fans. Du antwortest beispielsweise auch auf jede Email. Ist dir
das nicht etwas zu stressig?
Sven:
Ja klar, es ist schon stressig, und es dauert auch immer eine Weile bis eine
Antwort kommt, aber ich versuche schon immer jede Email zu beantworten. Ich
finde das gehört sich einfach, wenn man etwas gefragt wird, darauf zu antworten.
Und ich mach das auch gerne. Es gehört einfach dazu.
Suiciderock: So schön das alles ist,
gibt es auch manchmal Arbeiten die euch als Band
nerven?
Sven: So Sachen wie
Buchhaltung machen wir nicht gerne, aber es muss trotzdem sein. Es gibt immer
ein paar Arbeiten, grade im organisatorischen Bereich, wie z.B. einen Bus
besorgen, die nerven. Aber zum Glück haben wir immer nette Helfer die uns das
abnehmen, damit überhaupt etwas klappt.
Suiciderock: Was würdest du denn machen
wenn du kein erfolgreicher Musiker wärst?
Sven: Ähm ... ich wäre wohl arbeitslos.
Suiciderock: ...und würdest trotzdem
Musik machen?
Sven: Wahrscheinlich.
Ich habe für mich noch nie eine andere Alternative gesehen. Mit Musik hätte es
auf jeden Fall zu tun.
Suiciderock: Was war euer bisher
schönstes Erlebnis mit
der Band?
Sven: Da gibt es viele aufregende Erlebnisse und Momente die
man nicht missen möchte. Angefangen vom ersten Konzert mit unserer Band als wir
noch anders hießen bis zu der jetzigen Tour. Fast jedes Konzert ist für uns ein
Highlight.
Suiciderock: Die vorherige Band
“Dreadful Shadows” habt ihr aufgelöst als ihr relativ erfolgreich gewesen seid.
Warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Normalerweise werden Bands aufgelöst
wenn der Erfolg schwindet.
Sven:
Das war natürlich nicht der Grund: Oh Gott wir wollen nicht mehr Geld
verdienen! Nein das war es nicht. Die Geschmäcker und Meinungen in welche
Richtung die Band sich nach dem letzten Album weiterentwickeln sollte gingen
eben in verschiedene Richtungen. Es gab auch ein paar persönliche Probleme. Und
bevor wir uns ein Album aus den Fingern gesaugt haben, hinter dem niemand von
uns stehen kann, haben wir die Band lieber aufgelöst und neu
angefangen.
Suiciderock: Im Sommer spielt ihr z.B.
auf dem Mera Luna Festival. Gibt es noch mehr Daten?
Sven: Wir sind auf jeden Fall beim WGT in Leipzig und auf dem
Amphi Festival vom Orkus dabei. Ansonsten sind noch ein paar Sachen in der
Schwebe bei denen wir noch nicht genau wissen ob es klappt.
Suiciderock: Was gefällt euch besser:
eine eigene Tour oder auf Festivals zu spielen?
Sven: Es ist beides sehr reizvoll. Bei einem Festival
ist natürlich toll dass man noch viele andere Bands sehen kann und es ist auch
nicht so anstrengend wie eine eigene Tour. Wenn man jeden Abend über zwei
Stunden spielt geht das irgendwann an die Substanz. Aber eine Tour ist etwas
ganz eigenes. Man ist weg und konzentriert sich nur darauf eine gute Show zu
liefern, und das ist auch klasse. Es ist beides toll. Nur Tour ohne Festivals
wäre blöd und nur Festivals ohne Tour wäre genauso blöd.
Suiciderock: Gibt es Künstler mit denen
ihr gerne mal zusammenarbeiten würdet? Ist etwas in diese Richtung
geplant?
Sven: Sicher, es gibt
immer jemanden mit dem man es sich gut vorstellen könnte, aber solange nichts
definitives feststeht möchte ich da gar nicht spekulieren.
Suiciderock: Eure persönlichen Wünsche
für die Zukunft?
Sven: Ach
einfach dass die Band noch eine Weile besteht und wir noch ein paar schöne Alben
aufnehmen können. Mehr brauch ich gar nicht.
Suiciderock: Wir auch nicht. :) Danke
für das Interview
Sven: Bitte,
gerne.
(c) Suiciderock.com
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